Zum Tod von Heinrich Menning

Zum Tod von Heinrich Menning

Gladbeck, 10. August 2022 / 22. August 2022

Dass sich Städte in unterschiedlichen Staaten – vielfach auch schon über Jahrzehnte hinweg – einander Freunde bzw. Partner nennen, ist mit Blick auf die dunklen Seiten europäischer Geschichte ohne Zweifel eine gute, weil im Idealfall durchaus friedens- und vertrauensstiftende Sache. Am nachhaltigsten sind solche internationalen Verbindungen auf kommunaler Ebene immer dann geworden, wenn sie irgendwann einmal eine gewisse Eigendynamik erfahren haben. Wenn sich zwanglos Menschen verschiedener Nationalitäten mit ihren ganz unterschiedlichen Biografien durchaus regelmäßig begegnen, austauschen, unterhalten oder schreiben, ohne dass Derartiges noch besonders erwähnt werden müsste.

Jemand, der fast sein ganzes Leben genau dafür gearbeitet – nein gelebt – hat, war Heinrich Menning. Von Berufs wegen lag für Menning, den Freunde meist nur „Heiner“ nannten, die deutsch-französische Aussöhnung besonders am Herzen. Er unterrichtete bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2014 genau 37 Jahre lang am Heisenberg-Gymnasium Sozialwissenschaften, Musik und eben auch Französisch. Ein besonderes Anliegen war dem späteren Studiendirektor bis zu seinem Eintritt ins Rentnerleben stets ein aktiver Austausch der ihm anvertrauten Schüler mit der französischen Partnergemeinde Marcq-en- Barœul. Ungezählte persönliche Verbindungen von jungen Gladbeckern mit den Freunden aus dem Norden Frankreichs gingen nicht zuletzt auf Impulse Mennings zurück. Schüler, die sich gewissermaßen von Heiners Liebe zum Französischen anstecken ließen, nannten ihren Lehrer gerne schon mal „einen feinen Kerl“.

Heinrich Menning lebte quasi das vor, was ihm so wichtig war Zeit seines Lebens. Französische Gäste gingen bei ihm und seiner Frau Heidi daheim sozusagen ein und aus. Dass einer seiner Söhne in Paris mit einer Französin verheiratet ist und die dortigen Enkel zweisprachig aufwachsen, unterstreicht Mennings ureigenes Verständnis von ehrlicher, wahrhaftiger Völkerverständigung nur noch.

Mit seinem Marcqer Pendant Jean-Jacques Givaudan vom Verein „Les Amis de Gladbeck“ und dessen Nachfolgerin Dorothée Degouy existierten sogar enge persönliche Freundschaften. Eines war Heinrich Menning, das muss betont werden, dabei besonders wichtig: Eine stete Kommunikation auf Augenhöhe.

Im Februar 2011 übernahm Heiner Menning, zusätzlich zu seinem Lehrerberuf, auch im Gladbecker Freundeskreis Marcq-en-Barœul ehrenamtlich Verantwortung, stellte das Partnerschaftskomitee inhaltlich neu auf und trieb, bisweilen beharrlich und mit Nachdruck, die schon seit Jahrzehnten bestehende Partnerschaft mit Marcq-en-Barœul voran. Dabei gelang es Heiner Menning durchaus immer wieder, auch auf kultureller sowie musikalischer Ebene Brücken Richtung Nordfrankreich zu schlagen. Mit einem deutsch- französischen Jugendzeltlager in Wittringen und einer europäischen Jugendkonferenz in Gladbeck setzte Menning unlängst erst noch weitere Meilensteine.

Am 10. August 2022 starb Heinrich „Heiner“ Menning plötzlich und unerwartet im Alter von 73 Jahren. Der Freundeskreis Marcq-en-Barœul verliert damit seinen stets treibenden Motor und seinen Präsidenten. Und die Stadt Gladbeck, wie es Bürgermeisterin Bettina Weist in einem Nachruf ausdrückte, einen Mann, der mit seinem Wirken viele Spuren in der lokalen Kulturlandschaft hinterließ: Auf kulturell-musischer Ebene, aber eben auch in Sachen europäischer Völkerverständigung von der sogenannten Basis aus.

Au revoir, Monsieur le Président.

Freundeskreis Marcq-en-Barœul e.V., Gladbeck

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